Sonntag, 14. Februar 2010

Wer was und warum überhaupt das Ganze...


So oder so aehnlich reist unser Schmuck durch Indien gen Deutschland. (nochmal danke an Thorsten. Und ab sofort nehm ich meine eigene Kamera mit)

Varkala. Trockene Matratze. Palmen überall. Blick übers Meer bis zum Horizont. Paradies quasi. Varkala ist der Ort, an dem vor zweieinhalb Jahren die Idee zu IndiaFling entstand.

Und gerade las ich am Strand Günter Faltins „Kopf schlägt Kapital“. Ein leidenschaftliches Plädoyer für Entrepreneurship. Dafür, dass jeder sein eigener Unternehmer sein kann und sollte – sofern er Ambitionen dafür spürt. Der Gründer der Teekampagne hat es selber vorgemacht. Er sagt,wenn man nur nach der richtigen Idee suche, diese richtig austüftele und dann noch mit Hilfe professioneller Dienstleister, die sich um die Administration kümmern, umsetze, dann könne es jeder schaffen. Auch ohne Kapital. Und im Prinzip ohne sich dabei aufzuarbeiten.

Das Buch hat mich fasziniert und mich gleichzeitig in meiner Entscheidung, IndiaFling aufzuziehen, bestätigt. Nur ganz so ohne Hürden, wie Faltin das beschreibt, geht es leider nicht zu. Faltin selbst importiert Tee aus Darjeeling, den, laut ihm, besten Tee der Welt. Bioqualität. Nur in Großpackungen. Und verkauft ihn billiger als jeder andere auf dem deutschen Markt. Mit keinem Wort allerdings erwähnt er in seiner Erfolgsgeschichte Schwierigkeiten bei Produzentensuche und dem Umgang mit der indischen Geschäftswelt. Es muss also an mir liegen.

Spaß beiseite. Wie kommt man eigentlich dazu, sich so ins Abenteuer zu stürzen? 2007 beendete ich mein Studium und war schon während der Lernerei schier wahnsinnig ob der Überlegung, was denn danach kommen sollte. Irgendwo dauerhaft angestellt sein? Feste Arbeitszeiten? Immer in Deutschland? Das erschien mir alles ganz schrecklich. Also beschloss ich kurzerhand nach meinem Diplom noch mal (ein zweites Mal) für drei Monate nach Indien zu reisen. Dort wollte ich ernsthaft in mich gehen und schauen, ob das mit der Selbständigkeit wirklich für mich infrage käme. Also völlig abseits des Einflusses von Freunden und Familie. Die waren zum damaligen Zeitpunkt alle völlig dagegen.

Also standen erst mal zwei Monate Reisen auf dem Programm und dann noch ein Monat Yogalehrerausbildung im Ashram, wo ich jetzt auch gerade die letzen vier Tage war. Immerhin, dachte ich mir, könnte man dann ja ein wenig Yoga unterrichten und müsste nicht immer nur im Büro sitzen. Nach fünf Wochen war mir völlig klar, dass ich mich unbedingt und ganz dringend selbständig machen wollte. Nur womit, das war die Frage des neuen Jahrhunderts.

In Varkala traf ich dann, wie durch eine Fügung des Schicksals, einen indischen Engländer oder englischen Inder oder wie man sagt. Der lebte davon, dass er einmal im Jahr eine Riesenfracht Mangos an mehrere dieser gigantischen britischen Supermärkte verschiffte. Und nachdem er immer Mitbringsel aus Indien an seine Freunde zu Hause liefern musste, beschloss er irgendwann, auch noch Klamotten und Schmuck zu importieren. Zack zack. Einfach so.

Beim Wort Import tauchten vor meinem inneren Auge immer riesige Aktenmengen auf, die ein Normalsterblicher in diesem Leben nicht bewältigen könne. Beim Essen kritzelte er mir dann mal eben so den Ablauf eines normalen Export/Importgeschäfts auf und da dachte ich mir: Großartig, keine Aktenberge. Los geht’s. Seinen Hersteller würde er mir selbstverständlich auch nennen, so dass ich mir darum keine Sorgen machen müsse.

Von da an war in meinem Kopf die Sache geritzt. Yoga beiseite, genau das wollte ich machen. Nur, ihr könnte es Euch denken, so einfach war’s am Ende nicht. Eigentlich sollte ich den indischen Engländer oder englischen Inder vor meiner ersten Produzentenreise nach Indien in Schottland treffen. Doch drei Wochen vor unserem Treffen machte er mir über MSN eine Liebeserklärung. Alle weiteren Infos seinerseits fielen aus, nachdem ich ihm diplomatisch mitteilte, dass ich kein Interesse hätte.

Da war der Flug nach Indien aber schon gebucht und ein Zurück gab es nicht mehr. Stocksauer war ich auf diesen Herren. Ich glaube sogar, stocksauer trifft es noch nicht ganz. Aber immerhin hatte er mir ein klitzekleines bisschen Sicherheit vermittelt. So viel zumindest, dass ich monatelang an IndiaFling bastelte und bei seinem Rückzug schon so überzeugt war von der Idee, dass ich sie niemals mehr aufgegeben hätte. Und dann kurzerhand ohne Plan und ohne Infos nach Indien bin. Rückblickend gesehen, bin ich mehr als dankbar, dass ich diesen Menschen getroffen habe und dass er mir diesen ganzen Mist erzählt hat.

Er war der erste wirklich Selbständige, den ich kennen gelernt habe und der einfach durch und durch von seiner Sache überzeugt war. Ein Macher. Er hat mir klar gemacht, dass es geht, wenn man es nur will. Zwar erklärten mich alle für bescheuert, als sie von meiner Entscheidung hörten. Nach meiner Rückkehr war ich teilweise wirklich verzweifelt, weil keiner so recht zu begeistern war von meinem Plan und erwog sogar, in eine andere Stadt zu ziehen, damit mich keiner beim Arbeiten und meinem eventuelle Scheitern beobachten könnte. Aber nach einigen Monaten hatte ich kompromisslos alle meine Freunde und meine Eltern hinter mir. Warum? Ich glaube, ich war mir einfach so sicher, dass ihnen nichts anderes übrig blieb.

Und lustigerweise drehte sich der Spieß irgendwann um und alle waren so überzeugt von der Sache, dass mir selber manchmal Angst und Bange wurde. Während meine Freunde mich schon im Ziel visualisierten, kämpfte ich wieder und wieder mit dem Gedanken sang und klanglos unterzugehen. Aber die positive Unterstützung, die ich von allen um mich herum erhalten habe, und der unermüdliche Arbeitseinsatz meines Vaters haben diesen Gedanken nie zu stark werden lassen.

Danke an Euch alle! Ohne Euch würde es IndiaFling heute so nicht geben.

Ich will hier nichts beschönigen. Es gibt Tage, da will ich einfach nur schreien und denke mir, warum der ganze Mist. Aber ehrlich: Ich habe es niemals wirklich bereut. Es macht einfach Spaß, etwas ganz eigenes aufzuziehen. Das kompensiert einen für alle Rückschläge, die auftauchen. Und schließlich ist der Weg das Ziel.

So, der nächste Eintrag wird wieder sachlicher, versprochen!




Special thanks to Georg, Christine, Mihaela, Andrea, Christian, Natalie, Anesa, Vroni, Anna, Julia, Ariane, Andi, Achim, Sandra, Moritz, Markus, Volker, Max, Mohammed, Gopal, Anjali, Anurag J., Anurag H., Rajendra, Ravi, Ali und Somit. Und an alle meine Freunde.

1 Kommentar:

  1. Warum waren Ihre Freunde und Familie gegen Ihre Selbstständigkeit?

    Ich finde es total mutig, was Sie gemacht haben.

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